Freitag, 5. Dezember 2014

Nazibullshit.



Im September 2011 entdeckte ich im Polarchatforum den denkwürdigen Satz: „Meine sind einzeln schlafend, weil der NLH mit dem N3 nicht tiefenverknüpft ist.“ Die Zeit danach war ausgesprochen vergnüglich. 

Innerhalb kürzester Zeit beglückte das Thema Vererbte Rudelstellungen seine Leser mit 4.700 Kommentaren und drei Spezialfalldiskussionsablegern. Wir Ottonormalhundehalter lagen derweil auf dem Boden und brezelten uns weg vor Lachen.

Die Hunde der versammelten Sektenjünger hießen nicht mehr Lena, Emma und Bruno, sondern MBH, VLH und N2. Während wir mit unseren doppelbesetzten Stellungslosen auf dem Sofa Kekse futterten, rannten beseelte Rudler knurrend, blockend und fixierend zwischen ihren Hunden herum, um einen fehlenden NLHastenichgesehen eigenkörperlich zu ersetzen. 

Das las sich im Original so: „Jetzt wollte ich aber dafür sorgen, dass der N2 nicht mehr vor den MBH geht und hab ihn angeknurrt als er den MBH überholen wollte. Er ließ sich aber überhaupt nicht nach hinten bringen, als ich ihn mit dem Körper blockte, ist er seitlich ausgebrochen. Ich hab’s auch nicht geschafft, ihn durch fixieren nach hinten zu holen.“

2012 sorgten Auszüge aus den Rudelthreads für ausgelassene Heiterkeit auf meinen Lesungen. Insbesondere die Empfehlung, einen IKEA Plüschhund ins Rudel zu packen, wenn zwischen V2 und MBH eine Lücke klafft, beschäftigte die Gemüter. Darf man den Plüschi beim Gassi zu Hause lassen oder muss man ihn zum Wohle des Rudels auf ein Skateboard genagelt mitführen? In Köln oder Bad Segeberg, ich erinnere mich nicht mehr so genau, wurde die erste Rudelbrücke zum Automobil geschlagen: „Ganz klar, du brauchst einen N3.“ – „Ich hätte aber lieber einen X5.“

Kurz darauf verkrachten sich die Rudler nach allen Regeln der Kunst, spalteten sich und verließen den Polarchat unter donnerndem Getöse. Ein eigenes Forum wurde erschaffen. Mit vereinten Kräften und unter eigensinniger Umgehung jeglichen Lektorats verfasste man das Buch zur Stellung. Das wurde prompt so unlesbar, dass alle renommierten Fachverlage die Finger davon ließen. 

Nach dem Self Publishing im Januar 2013 kehrte an der Rudelfront Ruhe ein. Vermutlich lasen alle das Buch. Zu meinem Leidwesen musste ich die Lesung umbauen. Den Part mit gesammelten Erziehungsmerkwürdigkeiten in Wald und Flur übernahmen netterweise die Damen von Trainieren statt Dominieren. An dieser Stelle einen ganz herzlichen Gruß.

Erst im Frühjahr 2014 tauchten die Rudler erneut in der Öffentlichkeit auf. Wir schlugen uns auf die Schenkel vor Vergnügen und holten das Popcorn raus. Sie waren im Fernseh! Zu verdanken hatten wir das der rudelaffinen Frau Nowak. Sie hat – so will es die Legende – alles, was sie weiß, von einem russischen Hunderudel gelernt. Das passte. Zwei vorrangige Leithündinnen auf einem Platz? Das passte nicht. Noch bevor die Popcorntüte ganz leer war, hatten sich die beiden Damen schon wieder auseinandergelebt. 

Heute geht jede ihrer eigenen Wege. Frau Nowak hat wissen lassen, dass – bitte anschnallen! – der VDU (Verbund der unabhängigen Wegbereiter für Mensch-Hund-Kommunikation) in naher Zukunft die Typen Leithund, Kundschafter, Wächter und Zentralhund wissenschaftlich untersuchen wird. Wehe, ich höre jetzt ein Muhaha!

Frau Ertel schätzt wie gehabt auf Deutschlands Hundewiesen gegen Gebühr MBH75Ds ein und weist auf die strenge Parkordnung hin. Nein, um den X5 geht es nicht. Die Jünger haben in Rudelstellung zu parken. Nicht auszudenken, welchen Schadenverlauf es nähme, stünde ein noch nicht eingeschätzter Hund zwischen einem N3- und einem V2-Transporter. Witzig!

Im Nieselregen unterm Zelt stehen derweil erwachsene Menschen, sehen für 200 Euro einer Dame beim Rauchen zu und bringen anschließend einen ihrer zwei Hunde ins Tierheim. Nicht witzig!

Unlängst ist Stefan Niggemeier auf die Rudler aufmerksam geworden. Er hat das getan, was einen guten Journalisten auszeichnet. Er hat recherchiert, seinen Hund einschätzen lassen und auf krautreporter.de einen informativen Artikel über die Sekte geschrieben – unaufgeregt und bar jeder Polemik. Das gelingt uns Hundebloggern selten bis gar nicht.

Die Riefenstahl-Optik seiner Schwarzweißbilder hat dazu beigetragen, dass mir das Lachen über die Rudler mittlerweile vergangen ist. Auf die Idee, Geschöpfe wegen ihrer Genetik aus der Familiengemeinschaft auszusortieren, muss man im 21. Jahrhundert erst einmal kommen. 

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014



Auszug aus: Stefan Niggemeier, Des Rudels Kern, November 2014, krautreporter.de








Alle Hintergründe ohne irritierendes Sektengemurmel auf rudelstellungen-klargestellt.de.
Für den Fall, dass euer Zahnarzt den Wurzelbehandlungstermin abgesagt hat, 
ihr euch aber trotzdem den Tag versauen wollt. 







Samstag, 1. November 2014

Neues vom Hetzer.



Die bevorzugt eindimensional denkende Trainerschaft ärgert sich derzeit über meinen letzten Satz im WDR-Beitrag. „Dödel“ hetze mit seiner Ihr-könnt-uns-alle-mal-Methode die Leute auf, ihre Hunde nicht mehr zu erziehen, heißt es.


Ich verstehe die Empörung nicht. Ich sage doch nur, dass jeder Hund halt ist wie er ist. ANNEHMEN heißt nicht automatisch AUFGEBEN.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Dem Dude sein Fernsehteam.




Wir hatten ja unlängst angedeutet, dass wir – also Luna, Wiki und ich – in einem schwachen Moment dem WDR Tür und Tor geöffnet haben. Das war Ende Juli. Mittlerweile sind Wikis Beiträge sendereif. Wir anderen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Für den Beitrag, der am 19. Oktober ausgestrahlt wurde, hat er extra ein Loch in meine schöne Böschung gegraben und mich angepestet, als ich das doof fand. Aber Mirko Tomasini meint in dem Beitrag sinngemäß, das sei alles nicht so wild, der Hund deeskaliere ja nur. Im Split-Screen kann man sehen, dass der Wolfschef auf der Kasselburg genauso aussieht, wenn er einen Hals hat. Es ist schön und artgerecht und wunderbar, dass Wiki seinen inneren Wolf noch besitzt, BERUHIGT MICH ALS HARMLOSEN FAMILIENHUNDEHALTER ABER NICHT DIE BOHNE! Der Beitrag heißt „Mythos Alphatier“.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Intermediäre Brücke (Subsonic Trance Stephen King Exorcist Mix).




Wenn er sich mit der Schlepp im Wald verheddert hat, ist er immer sehr empört. Als hätte der Wald das extra gemacht! Willkommene Gelegenheiten, um den mürben Scheffstatus mal wieder zu zementieren. Während ich die Knoten löse, singe ich: „Ich hahab Dauuumen und duhuhu nihicht!"

Ich kann mir nicht helfen. Irgendwie klingt meine intermediäre Brücke als käme gleich ein kleiner blutbesudelter Clown mit einer Machete um die Ecke. 

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014





video

Samstag, 20. September 2014

Von blauen Haltern, seltsamen Ämtern und dem Paragraphen 11.




»Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr?«, fragt Peter. »Die Brunellomethode? Orale Rotweingaben für Hundeführer?« – »Klar«, sagt Juppi. »Je besoffener das Herrchen, desto entspannter der Hund.« – »Blauer Halter statt blauem Hund«, sagt Walter. »Lasst uns das ausbauen«, sagt Peter. »Wir machen uns mit einer Hundeschule selbstständig.«

»Therapiekonzept Blauer Halter.« 
»Hervorragende Idee.«
»Auf uns Therapeuten!«
»Auf uns Therapeuten!!«
»Was nehmen wir pro Stunde?«
»Minimum zwohundert plus Steuer.« 
»Was therapieren wir eigentlich?«
»Ist das wichtig?«

Montag, 15. September 2014

Tortellini Acht.





Eine satte Sommersonne lag über dem Chianti und tauchte die toskanischen Hügel in flimmernde Hitze. Eine Schmeißfliege brummte die holperige Landstraße entlang, die von Fioraie nach Castellina führte. Als die Fliege den würzigen Zypressenduft wahrnahm, bog sie zuversichtlich nach links ab.

Die Zypressenallee beschattete einen staubigen Feldweg, der nach wenigen hundert Metern auf dem Hof eines bescheidenen Landguts endete. Links das verwinkelte Haupthaus, rechts die große Scheune, geradeaus die alten umgebauten Stallungen, in denen es schwach nach dem Öl gepresster Oliven roch. Dahinter zogen sich Olivenbäume den Hügel hinunter bis zum Bauernhof des Nachbarn. 

Mittwoch, 27. August 2014

Hell's Granny.



„Was macht Luna da?“, fragt meine Frau und schaut zu, wie unsere Hündin in einer Staubwolke am Horizont verschwindet. „Sie verschwindet in einer Staubwolke am Horizont“, sage ich. „Das sehe ich auch“, sagt Stella. „Aber warum macht sie das?“ – „Wahrscheinlich ist Wolfi irgendwo da hinten.“ 

Bauer Fürmanns Hofhund Wolfi und Luna kennen sich seit ungefähr zehn Jahren und wollen sich seit ungefähr zehn Jahren umbringen, wenn sie sich begegnen. „Das war eine rhetorische Frage“, seufzt meine Frau. „Mir ist auch klar, dass da hinten irgendwo Wolfi ist. Aber warum macht sie das? Luna ist bald zehn. Weißt du, wie alt sie als Mensch wäre? Unter Berücksichtigung ihrer vierzig Kilo Kampfgewicht ungefähr achtzig!!! Wie kann man mit achtzig in einer Staubwolke am Horizont verschwinden, nur weil man sich auf eine Schlägerei freut? Das ist die brutalste Oma, die ich kenne.“

Dienstag, 12. August 2014

„Ich kekse doch meine Hunde nicht tot!“



Wenn die ausgelassene, nichthundehaltende Grillrunde nach dem Essen die oben abgebildete Spülszene mitbekommt, werden mindestens zwei leichenblass und kriegen umgehend Herpes, drei weitere gehen brechen und alle anderen verlassen ganz schnell den Garten, weil ihnen eingefallen ist, dass noch dringende Arzttermine anstehen.

Knipst man diesen Augenblick und postet ihn auf Facebook, erntet man siebenhundertvierzehn begeisterte Gefälltmirs und annähernd ebensoviele Aufnahmen von Hunden, die ähnlich effizient den Grill reinigen. Wenn es eines Beweises bedürfte, dass wir Hundehalter wahnsinnig sind, dann wäre er das.


Dienstag, 1. Juli 2014

Die Rekonvaleszenz der nackten Kanone.





Das Beste gleich zu Anfang: Luna, the dog formerly known as Krawallmaus and meanwhile called das Rippchen, geht es den Umständen entsprechend sehr, sehr gut. Die Regenbogenpresse munkelt, auch Cher habe vermutlich eine Rippe geopfert, um eine schlankere Taille zu erzielen.

Auf unserer Facebookseite gibt es regelmäßige Opdates zu Lunas Genesung und Nachtschwester Wikis Kapriolen. Weil nicht alle dort mitlesen, stelle ich die Nachrichten parallel hier ein.


Mittwoch, 25. Juni 2014

Alle weg!



Dreihundertfünfundsechzig Rottmeierkarten, neunundsechzig feuerwehrrote Herrchenjahre, drei löschwasserblaue Herrchenglücks und ein grasgrünes Toskanamänner-Einsatzteam sind bestellt, bezahlt und in der Post.

Für Christel, Claudia, Anette, Karin, Birgit, Birgit, Birgit, Jacky, Sabine, Andrea, Barbara, Rita, Axel, Susanne, Frank, Nana, Klaudia, Sabrina, Elke, Birgit, Boris, Katrin, Franziska, Franziska, Wolfgang, Ina, Nicola, Claudia, Bernadette, Tina, Heike, Birgit, Ute, Petra, Petra, Sylvia, Iris, Barbara, Angi, Claudia, Claudia, Nicole, Nicole, Marie-Luise, Stephanie, Silvia, Nina, Gerlinde, Elfriede, Stella, Stella, Jessica, Jasmin, Christiane, Lisa, Kristina, Katrin, Mario, Mario, Mario, Marion, Petra, Andrea, Christa, Ursula, Antje, Antje, Andrea, Georgine, Franziska, Vera, Vera und Micha. 2.357 €! Habt ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen. 

Und ein ganz dickes Dankeschön an den Heyne Verlag für die großzügige Bücherspende. Die TiNOs können jeden Euro wirklich gebrauchen. 

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014




Der versprochene Beleg. Die Überweisung an TiNO ist heute raus.