Freitag, 27. März 2015

Base Porn.



Auf unserer Hunderunde durchs Neandertal werden wir von einem Mammut, einem Wisent und drei Säbelzahnschweinen angegriffen. Die Hunde und ich kämpfen wie die Berserker. Schwer verwundet stürzen wir die Böschung hinunter. Wir brauchen Hilfe. Ich greife zum Handy. Es ist tot!

Wie konnte es dazu kommen? Also dass das Handy tot ist, meine ich. Das mit dem Mammut und dem Schweinezeugs ist nur ein geschickter dramaturgischer Kniff. Außerdem haben die Schweine im Neandertal heute keine Säbel mehr. Aber das Telefon ist tatsächlich verstorben. Es besteht ab sofort keine Chance mehr auf Rettung, wenn wir still und stumm in den Büschen liegen.


Was vorher geschah. Meine Hunde sind geistig nicht ausgelastet. Wenn ich nicht hinsehe, greifen sie zum iPhone und laden sich mit ihren groben Pfoten Porno-Abos herunter. Eins nach dem anderen. Bis der Sabber läuft! Luna schaut wahrscheinlich stündlich bei nackterüden24 vorbei, Wiki ist mit Leidenschaft auf heissundrollig.de unterwegs. Glaubt zumindest unser Mobilfunkanbieter. 

Anders ist es nicht zu erklären, dass BASE aus heiterem Himmel zusätzlich zu den anfallenden Augustgebühren satte 49,90 € abbucht – im Namen des Drittanbieters Netmobile AG, der wiederum für die Viert- und Fünftanbieter Überdentischzieh GmbH und Abzock & Partner das Inkasso übernommen hat. 

Ich buche die 50 Euro wieder zurück und tippe einen höflichen Brief. „Ihre Drittanbieter-Forderungen weise ich der Sache wie der Höhe nach zurück“, schreibe ich. „Leistungen, aus denen sich eine Zahlungsverpflichtung an Drittanbieter ergibt, habe ich nicht bestellt.“Daraufhin antwortet BASE, ich müsse jetzt zur Strafe 54 Euro bezahlen und bucht weitere 50 für den Monat September ab. 

Ich buche die 104 Euro wieder zurück und tippe einen höflichen Brief. „Ihre Drittanbieter-Forderungen weise ich der Sache wie der Höhe nach zurück“, schreibe ich. „Leistungen, aus denen sich eine Zahlungsverpflichtung an Drittanbieter ergibt, habe ich nicht bestellt.“ Daraufhin antwortet BASE, ich müsse jetzt zur Strafe 112 Euro bezahlen und bucht weitere 50 für den Monat Oktober ab.

Ich buche die 162 Euro wieder zurück und tippe einen höflichen Brief. „Ihre Drittanbieter-Forderungen ...“ So geht der Reigen über Monate stumpf und stoisch weiter, bis – – – mir das BASE Exklusiv Team am 17. Februar 2015 mitteilt, es tue ihnen leid, es handle sich um ein Versehen! Ich hätte Recht mit meinen Einwänden, schreiben sie, sie würden mit nächster Rechnung sämtliche angefallenen Netmobile-AG-Gebühren zurückerstatten, mein Rechnungskonto sei damit ausgeglichen, man wünsche mir noch eine schöne Woche.

Ein feiner Zug, denke ich noch, so geht Kundenservice. Am 14. März wird mein Handy stillgelegt. Am 19. März liegt eine Außerordentliche Kündigung im Briefkasten. Aufgrund erheblicher Zahlungsrückstände müsse man meinen Mobilfunkvertrag fristlos kündigen, ich bräuchte gar nicht erst anzurufen, die weitere Kommunikation übernehme ab sofort die GFKL Collections GmbH, mit freundlichen Grüßen.

GFKL lässt sich nicht lumpen. Sie collecten bereits drei Tage später. Unter Missachtung sämtlicher Grundrechenarten kommen sie zu dem Ergebnis, auf meinem „ausgeglichenen Rechnungskonto“ seien 329,39 € offen, hinzu kämen 507,98 € Schadensersatz, 61,56 € Inkassokosten und 10,80 € für einen mit 62 Cent frankierten Brief, zahlbar bis zum 1. April. Ich greife zum Briefpapier. 

„Ihre Drittanbieter-Forderungen weise ich der Sache wie der Höhe nach zurück“, schreibe ich. „Leistungen, aus denen sich … blablubli und bliblablu …“



Danke, Bro, mir geht es gut. Ich rauche mittlerweile dasselbe Zeug wie die Buchhaltung von BASE und GFKL. Während ich dies schreibe, schweift mein Blick in den Garten. Das Mammut schaukelt in der Hängematte und guckt Wisentpornos auf www.geilehörner.com. Wiki lungert im Feinripphemdchen mit einem Oettinger Pils in der umgekippten Schubkarre. Direkt unter dem UFO, im Stiefmütterchenbeet, hauen sich Luna und das Säbelzahnschwein freundschaftlich auf die Fresse. 

In der Abendstille läutet ein Telefon. 
Es ist nicht meins.


Update Samstag, 4. April 2015
Nachdem ein an Dyskalkulie laborierender BASE Buchhalter auf unserem „ausgeglichenen Rechnungskonto" achthundert Euro Miese gefunden hat und wir deswegen hochkant aus dem Mobilfunkvertrag geflogen sind, zündet das BASE Kundenverwirrungs-Team die nächste Stufe: 




Seither rätseln wir, mit welchem Dankeschön wir demnächst beglückt werden. Wahrscheinlich automatische Verdoppelung nicht vorhandener Schulden auf 1.600 € sowie Pfändung des Familienfahrzeugs im Rahmen einer Moskau Inkasso Besuchsmaßnahme unter Zuhilfenahme von Platin-Baseballschlägern.
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© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2015

Sonntag, 22. März 2015

Wenn der Körperklaus Kssst macht.




An einem sonnigen Frühlingstag versuche ich, eine mit schwerer Erde gefüllte Schubkarre über unsere holperige Wiese zu bugsieren. Als ich mit dem linken Fuß in ein von den Hunden aufgebuddeltes Mauseloch trete und mit dem rechten an einem Maulwurfshaufen hängen bleibe, ist mein Schicksal besiegelt.



Wild eiernd versuche ich, auf einer Strecke von zehn abschüssigen Metern mein Gleichgewicht zu halten. Ich stolpere nach Osten, während die Karre nach Westen ausbricht, reiße das Ruder in letzter Sekunde herum, ramme mir die Handgriffe in die Leiste, lasse das Gefährt los, bevor ich meinen eigenen Schuh überfahre, und schlage schließlich der Länge nach auf die Fresse. Meine Töchter beobachten diesen unwürdigen Akt der Hilflosigkeit ungerührt von Anfang bis Ende und diagnostizieren trocken: „Er ist ein echter Körperklaus.“


Montag, 16. Februar 2015

Dr. Jekyll & Mr. Hyde.



Wir leben mit einer gespaltenen Persönlichkeit zusammen. Dr. Jekyll hopst uns in die Arme und schmust uns stundenlang schwindelig. Mr. Hyde mutiert über geklautem Futter zu einer fauchenden Bestie und beißt gnadenlos die Hand, die ihn nährt. 

Beide Herren residieren im Körper eines fünfjährigen Münsterländer-Jack-Russell-Mischlings, der vom Tierheim folgenden Begleittext erhielt: „Wiki ist ein sehr aufgewecktes Kerlchen und hat auch immer neue Ideen. Da er noch sehr übermütig ist, könnte es eventuell gelegentlich zu Missverständnissen kommen.“

Samstag, 24. Januar 2015

Herrchenjahre 3.


So. Die „Männer“ sind geschrieben, lektoriert, gekürzt, gewürzt und abgekocht. Männer al dente ist seit dieser Woche beim Verlag und harrt des Drucktermins. Nach zwei Männerbüchern bin ich quasi austherapiert und kann mich wieder den wahren Herrschern unseres Planeten widmen: den Rüdinnen und Rüden.

Das Schreibgerät ist frisch poliert. Unschuldiges weißes Papier liegt in Stapeln bereit. Auf dem ersten Blatt steht auch schon was: Herrchenjahre 3.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Last-Minute-Geschenktipp.




Erlangen (dpo) - „Geschichtswissenschaftler der Universität Erlangen/ Nürnberg haben herausgefunden, dass der Film King Kong auf historischen Tatsachen beruht. Der echte King Kong war allerdings nicht etwa ein Riesengorilla, sondern vielmehr ein Hund von normaler Größe. Das Tier hieß zudem nicht King Kong. Sein historisch verbürgter Name lautet Fido. Gruselige Überschneidung: Fidos Frauchen war weiß.“

Angesichts der zunehmenden Informationsflut wird man im Aufnehmen von Nachrichten immer versierter. Der morgendliche Blick rutscht über die Regionalzeitung und Spiegel Online, schweift von tagesschau.de über n-tv zu diversen Links in der Facebook-Timeline, zuletzt noch je nach Geschmack eine Prise FAZ, Süddeutsche oder ZEIT. In Windeseile überfliegt man die Schlagzeilen, wurstelt sich durch die Anleser – fertig ist die tägliche Dosis Neuigkeiten aus unserer merkwürdigen Welt.

Freitag, 5. Dezember 2014

Nazibullshit.



Im September 2011 entdeckte ich im Polarchatforum den denkwürdigen Satz: „Meine sind einzeln schlafend, weil der NLH mit dem N3 nicht tiefenverknüpft ist.“ Die Zeit danach war ausgesprochen vergnüglich. 

Innerhalb kürzester Zeit beglückte das Thema Vererbte Rudelstellungen seine Leser mit 4.700 Kommentaren und drei Spezialfalldiskussionsablegern. Wir Ottonormalhundehalter lagen derweil auf dem Boden und brezelten uns weg vor Lachen.

Samstag, 1. November 2014

Neues vom Hetzer.



Die bevorzugt eindimensional denkende Trainerschaft ärgert sich derzeit über meinen letzten Satz im WDR-Beitrag. „Dödel“ hetze mit seiner Ihr-könnt-uns-alle-mal-Methode die Leute auf, ihre Hunde nicht mehr zu erziehen, heißt es.


Ich verstehe die Empörung nicht. Ich sage doch nur, dass jeder Hund halt ist wie er ist. ANNEHMEN heißt nicht automatisch AUFGEBEN.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Dem Dude sein Fernsehteam.




Wir hatten ja unlängst angedeutet, dass wir – also Luna, Wiki und ich – in einem schwachen Moment dem WDR Tür und Tor geöffnet haben. Das war Ende Juli. Mittlerweile sind Wikis Beiträge sendereif. Wir anderen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Für den Beitrag, der am 19. Oktober ausgestrahlt wurde, hat er extra ein Loch in meine schöne Böschung gegraben und mich angepestet, als ich das doof fand. Aber Mirko Tomasini meint in dem Beitrag sinngemäß, das sei alles nicht so wild, der Hund deeskaliere ja nur. Im Split-Screen kann man sehen, dass der Wolfschef auf der Kasselburg genauso aussieht, wenn er einen Hals hat. Es ist schön und artgerecht und wunderbar, dass Wiki seinen inneren Wolf noch besitzt, BERUHIGT MICH ALS HARMLOSEN FAMILIENHUNDEHALTER ABER NICHT DIE BOHNE! Der Beitrag heißt „Mythos Alphatier“.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Intermediäre Brücke (Subsonic Trance Stephen King Exorcist Mix).




Wenn er sich mit der Schlepp im Wald verheddert hat, ist er immer sehr empört. Als hätte der Wald das extra gemacht! Willkommene Gelegenheiten, um den mürben Scheffstatus mal wieder zu zementieren. Während ich die Knoten löse, singe ich: „Ich hahab Dauuumen und duhuhu nihicht!"

Ich kann mir nicht helfen. Irgendwie klingt meine intermediäre Brücke als käme gleich ein kleiner blutbesudelter Clown mit einer Machete um die Ecke. 

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014





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Samstag, 20. September 2014

Von blauen Haltern, seltsamen Ämtern und dem Paragraphen 11.




»Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr?«, fragt Peter. »Die Brunellomethode? Orale Rotweingaben für Hundeführer?« – »Klar«, sagt Juppi. »Je besoffener das Herrchen, desto entspannter der Hund.« – »Blauer Halter statt blauem Hund«, sagt Walter. »Lasst uns das ausbauen«, sagt Peter. »Wir machen uns mit einer Hundeschule selbstständig.«

»Therapiekonzept Blauer Halter.« 
»Hervorragende Idee.«
»Auf uns Therapeuten!«
»Auf uns Therapeuten!!«
»Was nehmen wir pro Stunde?«
»Minimum zwohundert plus Steuer.« 
»Was therapieren wir eigentlich?«
»Ist das wichtig?«