Freitag, 27. Juni 2014

Die Rekonvaleszenz der nackten Kanone.





Das Beste gleich zu Anfang: Luna, the dog formerly known as Krawallmaus and meanwhile called das Rippchen, geht es den Umständen entsprechend sehr, sehr gut. Die Regenbogenpresse munkelt, auch Cher habe vermutlich eine Rippe geopfert, um eine schlankere Taille zu erzielen.

Auf unserer Facebookseite gibt es regelmäßige Opdates zu Lunas Genesung und Nachtschwester Wikis Kapriolen. Weil nicht alle dort mitlesen, stelle ich die Nachrichten parallel hier ein.


Mittwoch 28. Mai
Kurzes Opdate an alle Besorgten. Luna hat sich wie erwartet für das OP-Modell mit Vollausstattung und allem Zipp und Zapp entschieden: drei Rippen raus, Mordstumor (Fibrosarkom) auch nach innen, Zwerchfell versetzt, Hautverpflanzung wegen des enorm großen Wunddefekts, Morphium, Tropf, Wärmelampe, mindestens ein paar Tage stationär. Das alles muss man nicht überleben, kann man aber. Sie strampelt gerade sehr und eure tausend Pfötchen sollten noch gedrückt bleiben.


Donnerstag 29. Mai 
Zweites Opdate an alle Besorgten. In meinem unerschütterlichen Aberglauben habe ich heute Nacht noch alle 365 Daumendrücker geliket. Facebook hat mich sieben Mal abgemahnt und mich sieben Mal die Klicks mit Spezialcodes bestätigen lassen, weil sie dachten ich sei ein verfluchter Spammer. 

Heute morgen fuhr ich mit meiner jüngsten Tochter in die Klinik - zu 80 % davon überzeugt, mich erwarte ein Einschläferungstermin. Als ich die Tür öffnete, kam uns Luna entgegen. Sogar das Wedeln funktionierte wieder! Wie sie das in nur einer Nacht geschafft hat, ist allen ein Rätsel. Sie darf schon nach Hause!


24 Stunden nach der OP.
Sie ist noch ordentlich schlapp und schläft pausenlos. Morgen fahren wir zum Verbandswechsel. Ach ja, unter dem blauen Body verbirgt sich bis auf weiteres ein totalrasierter Nackthund. (Bitte umgehend die obligatorische Qualzuchtdiskussion starten!) Habt alle ganz herzlichen Dank fürs Hoffen, Bangen, Daumendrücken!


Freitag 30. Mai
Drittes Opdate. Zweite gute Nacht. Erste Erkenntnis: Wenn einem ein Stück Bauchfell durch ein Netz ersetzt wurde, das Zwerchfell umgenäht ist, drei stramme Rippchen fehlen und das Wundwasser pfundweise aus der Watte tropft, sollte man aus dem Kofferraum heraus tunlichst keine anderen Hunde ankeifen. Es tut halt weh. „Ruff! Fiep! Woff! Jiep! Raffwaff! Jappjiep!“


Das Schnäpschen aus dem Brackwassertrog
schmeckt auch schon wieder.

Samstag 31. Mai
Der Dude findet, dass die Aufmerksamkeit hier etwas zu sehr von ihm abgleitet, und möchte energisch darauf hinweisen, dass er einen Kleinstkratzer an der rechten Pfote hat, der sich unter Umständen eventuell vielleicht höchstwahrscheinlich entzünden könnte würde womöglich. Auf jeden Fall Blaulicht! Tatü!



Männer halt.

Lunas Selbstheilungskräfte sind weiterhin erstaunlich. Schmerzen hat sie so gut wie keine mehr. Die u-förmige Narbe – jede der drei Seiten misst 20 Zentimeter – ist bis auf eine Ecke in einem sehr guten Zustand. Wir bibbern noch ein bisschen. Eine Infektion wäre jetzt fatal.


Montag 2. Juni
Der Doktor ist sehr zufrieden. Luna ist in einer ausgezeichneten Verfassung nach dieser wirklich heftigen OP vor gerade mal fünf Tagen. Die Wundheilung verläuft ausgesprochen gut; es besteht kaum noch Infektionsgefahr; alle vernähten Hautteile sind gut durchblutet. Luna hüpft behutsam im Garten herum. Bellen tut noch etwas weh, weil dabei der gesamten Brustkorb bewegt wird. Trotzdem möppert sie am Zaun die anderen Hunde an. 


Frankensteins Braut.

Die Piercings zieren ungemein. Der Kurzhaarschnitt macht einen schlanken Fuß. Die Patientin neigt bereits zum Übermut und muss gebremst werden. Launiger Kommentar von Claudia auf Facebook: „Ein bißchen sieht das so aus, als wäre das eine Klappe, die Du öffnen kannst, um nachzuschauen, ob sie den kleinen Kläffer von schräg gegenüber verspeist hat.“ Der Dude hat Reschbekt!


Mittwoch 4. Juni
Heute vor 7 Tagen war das große Rippensägen, und es fühlt sich fast schon an, als wäre nie etwas gewesen. Ich muss jetzt mal Werbung für einen großartigen Tierarzt machen. Danke, Dr. Diel! 


Irgendwas ist immer.


Samstag 7. Juni
Beim Sichmordsmäßigindiebrustwerfenundrumpöbeln schmerzt es noch, sonst nicht mehr. Alle Verbände sind runter. Madame (im Bild) ruht bereits auf der Montageklappe. Nächsten Donnerstag werden die 40 Klammern entfernt. Die einzig verbleibende Restsorge ist ein Witz: bloß keinen Sonnenbrand kriegen jetzt!


Ratzepüh auf der Narbe.


Donnerstag 12. Juni
Wenn man nach vierzehn Tagen herausragender Wundheilung ausgerechnet auf dem Weg zum Klämmerchenziehtermin hinten im Kofferraum zum ersten Mal seit zwei Wochen mit seinen Zähnen an der Narbe herumfuhrwerkt und sich einen Eckfaden herausreißt, sodass plötzlich wieder eine Wunde klafft und man vom Doc vierzig alte Klammern gezogen und sechs neue gesetzt und eine Riesentüte über die Birne gestülpt bekommt, dann  – – – IST MAN DOOF! 

Ohne Worte.


Samstag 14. Juni
Alle Fäden sind gezogen. Heute wären wir durch mit dem Thema! Wenn nicht die sechs neuen Klammern von der sprotzdoofen Donnerstagsaktion wären. Die müssen bis zum 23. Juni drin bleiben. Solange bleibt der Kragen der Schande drauf. Dickschädeliger süßer Dickschädel!


Das Leben ist kein Ponyschlecken.

Abgesehen davon verfügt Madame wieder über eine gehörige Portion an Energie. Die hat wohl der Tumor bisher für sich beansprucht. Sie genießt das Pöbeln am Zaun sichtlich, und wenn sie ehrlich ist, findet sie den Trichter gar nicht so schlecht. Der trägt den Schall weit ins Viertel hinaus. Auch nachts!


Mittwoch 18. Juni
Dengeldingeldongel! Die Hündin scheppert durchs Haus und eckt überall an. Aber der Trichter bleibt drauf. Da sind wir eisenhart.


Das Leben ist kein Zuckerhof.


Außerdem kann man schicke Fotos machen und später zu Erziehungszwecken nutzen. „Da vorne kommt Wolfi. Benimm dich, Schatz! Andernfalls...“ Foto zücken und zeigen. „... wie soll ich sagen, also zwischen dem Wildschwein und dem Hirsch wäre noch ein Plätzchen an der Wand frei.“


Samstag 21. Juni
Noch zwei Tage Tüte! Die Lieblingsfreizeitbeschäftigung wird aber schon mal aufgenommen. In den letzten Monaten hat immer der Kleine gewonnen. Heute nicht. Vermutlich hat Wiki Muffe vor dem Trichter, weil er denkt, er wird in den Weltraum hineingesogen und verglüht in einem schwarzen Loch.

Zergeln funktioniert auch wieder.

Montag 23. Juni
Die letzten Klammern sind entfernt worden. Damit die Schmirgelpapierzunge keinen Unfug anstellt, bleibt die Tüte noch drauf. Bis zum Spiel Deutschland-USA am Donnerstag. Dann sehen wir weiter. Gewinnt Deutschland, kommt sie runter. Gewinnt die USA, kriegt sie Wiki. Bei Unentschieden („Die Schande von Gijon Recife") muss ich sie aufsetzen.



video

Der Angriff der Killerschüssel.



Freitag 27. Juni
Der erste Tag mit abbem Tütchen. Wiki sagt vermutlich so etwas Ähnliches wie „Du siehst vielleicht scheiße aus. Ich schmeiß mich weg!" Luna ist es egal. Endlich kommt sie mit der Nase wieder überallhin.

„Nackich! Gnihihihi.“

So weit, so gut. Wir sind bester Dinge. Alles ist so komplikationslos verlaufen, wie wir es nie vermutet hätten. Am 13. August geht's noch einmal zum Doc. Dann wird die Röntgenaufnahme hoffentlich zeigen, dass die beiden hellen Flecken in der Lunge keine Metastasen sind, sondern Vernarbungen oder sonstige Harmlosigkeiten. Die histologische Untersuchung hat mittlerweile ergeben, dass unser Rippenkiller ein Chondrosarkom war. Diese Art Tumor metastasiert sehr selten.

Manchmal ist das Leben ein Arsch. Und manchmal eben auch nicht. Man sollte sich für beides wappnen.












Mittwoch, 25. Juni 2014

Alle weg!



Dreihundertfünfundsechzig Rottmeierkarten, neunundsechzig feuerwehrrote Herrchenjahre, drei löschwasserblaue Herrchenglücks und ein grasgrünes Toskanamänner-Einsatzteam sind bestellt, bezahlt und in der Post.

Für Christel, Claudia, Anette, Karin, Birgit, Birgit, Birgit, Jacky, Sabine, Andrea, Barbara, Rita, Axel, Susanne, Frank, Nana, Klaudia, Sabrina, Elke, Birgit, Boris, Katrin, Franziska, Franziska, Wolfgang, Ina, Nicola, Claudia, Bernadette, Tina, Heike, Birgit, Ute, Petra, Petra, Sylvia, Iris, Barbara, Angi, Claudia, Claudia, Nicole, Nicole, Marie-Luise, Stephanie, Silvia, Nina, Gerlinde, Elfriede, Stella, Stella, Jessica, Jasmin, Christiane, Lisa, Kristina, Katrin, Mario, Mario, Mario, Marion, Petra, Andrea, Christa, Ursula, Antje, Antje, Andrea, Georgine, Franziska, Vera, Vera und Micha. 2.357 €! Habt ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen. 

Und ein ganz dickes Dankeschön an den Heyne Verlag für die großzügige Bücherspende. Die TiNOs können jeden Euro wirklich gebrauchen.


Der versprochene Beleg. Die Überweisung an TiNO ist heute raus.







Dienstag, 10. Juni 2014

70 pfotensignierte Herrchenjahre für TiNO! Aus gegebenem Anlass in spendenfreundlichem feuerwehrrot!




TiNO ist dieses berühmte Tierheim, wo alle ein riesengroßes Herz für Raufer haben, Luna mit 30 Hunden und 100 Menschen mahatmagandhimäßig eine Lesung absolvierte und Wiki fünf Schlägereien am kalten Buffet bestritt, ohne dass sich irgendeiner aufregte außer ihm. Kurz: mein Lieblingstierheim.

Dort hat es im Mai gebrannt. Der Beitrag von —>RTL Hessen  macht das ganze Ausmaß deutlich. Menschen kamen Gott sei Dank nicht zu Schaden. Tiere auch nicht, bis auf ein Kätzchen, das später leider an einer Rauchvergiftung gestorben ist. Der materielle Schaden allerdings ist sechsstellig und damit immens für so einen kleinen Verein. TiNO hat keine Katzenquarantänestation mehr, keine Tierarztpraxis, und der Seminarraum ist auch hin.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Liebe Freunde.




Da klappt man morgens ahnungslos den Laptop auf und wie aus heiterem Himmel ist ein Hund nicht mehr da, der einem seit langem schon - wenn auch vielleicht nur virtuell - ans Herz gewachsen ist. Das ist nicht schön. Man verschluckt sich am Latte, spuckt ihn in die Tastatur und zum Mitgefühl und der Trauer kommt auch noch ein immenser materieller Schaden. 

Die Krawallmaus Tagebücher möchten diesbezüglich andere Wege beschreiten und zum Nutz und Frommen aller Laptops schon mal behutsam ankündigen: Luna wird bald zehn, und das Leben ist endlich. Außerdem haben wir eine neue Mitbewohnerin: Beule. 

Samstag, 19. April 2014

Wartenbissiesichbenimmt.














Showdown im Düsseltal oberhalb von Gut Thunis. Wir befinden uns im Fadenkreuz eines Appenzeller Sennenhundes. Der steht wie eine betonierte Eins 200 Meter weiter vorn an der Kreuzung und will nicht weichen. Hinter ihm versucht Frauchen interessanter zu sein als wir. 

Es ist Brut- und Setzzeit. Meinen beiden Entchenkitzundkatztötern habe ich fünf Meter lange Leinen an die Halsbänder geknüpft. („HALS???" – „Ja, Hals! Bitte informieren Sie umgehend Peta, Tschäinsch Org und Uschis Oase!“) Die Enden sind aneinander geknotet. So hat mein Doppel-Pack insgesamt einen komfortablen Aktionsradius von zehn Metern. Wenn sie durchstarten, brauche ich nur zu rufen. Sie sind sich nie einig. Einer zögert immer und bremst den anderen aus. An ganz heiklen Stellen nehme ich das Seil auch mal in die Hand. 

Montag, 31. März 2014

Gepflegt die Umwelt belästigen mit Markertraining.





Am Sonntag lief bei Tiere suchen ein Zuhause ein 8-minütiges Feature über gewaltfreies Hundetraining inklusive 1.000-kommentariger Facebook-Diskussion davor und danach. Ich kehre gerade von einem Spaziergang mit meinem sozial gemischten, alphalosen Semisolitär-Verband (hieß früher mal Rudel, darf man aber nicht mehr sagen) ins Warme zurück und bin sehr nachdenklich. 

Ist es nicht brutale Gewalt, dem Hund einen Namen zu geben, der harte Konsonanten enthält und nicht auf einem lieblichen „I" endet? Schutz- und ahnungslose Geschöpfe mittels Klicker und einem von vier Quadranten der operanten Konditionierung zu sabbernden Reiz-Reaktions-Maschinen zu degradieren? Ist es nicht pure Gewalt an Gottes Schöpfung, wenn man statt getrockneter Cranberries ein paar vollgesogene Zecken ins Müsli wirft? Oder ist es die Gewalt Gottes, die der Eintagsfliege bereits mittags um 12:00 ihre Midlife-Crisis beschert?

Freitag, 28. März 2014

Warum nicht mal Männer ins Nest legen.






In drei Wochen ist Ostern. Als hätte der Verlag das im Herbst 2013 schon geahnt, hat er Die Toskanamänner in dezentem Osternesthellgrün gestalten lassen. Damit harmonieren sie farblich hervorragend mit den Blätterkrokanteiern eines namhaften Hasenherstellers. 

Thematisch passen sie ebenfalls gut ins Nest. Das Buch überzeugt mit einer Buchstabenvielfalt, aus der sich mühelos alle kirchlichen Feiertage zusammensetzen lassen. Zudem enthält es 42 eierhaltige Textpassagen, poetisches Wortgut wie schleierhaft, bleiern und leiern eingerechnet. 

Montag, 24. Februar 2014

Plädoyer für ungezogene Krausehunde.
















Luna und ich fühlten uns schon immer zu Krauses hingezogen, die ein ähnliches Martyrium durchgemacht haben wie wir. Es nützt uns wenig, wenn hinter unserem Problemhundtrainer ein braver, durchkonditionierter Tutnix trottelt und herabfallende Eicheln hütet. Nein! Ich möchte, dass mein Krause so gelitten hat wie ich. 

Wenn ich sage: „O Mann, gestern ist uns das Halsband gerissen!“, will ich kein neugieriges „Aha? Erzähl mal!“ hören, sondern ein empathisches „Du brauchst gar nicht weiterzureden. Ich weiß genau, wie du dich fühlst.“

Donnerstag, 20. Februar 2014

Kaninchenkoks.




Ein Krause hat empfohlen, die Ohren der anderen Hunde mit Senf einzuschmieren, wenn sich der eigene Hund gern in fremden Ohren verbeißt. Hätte ich das mal früher gewusst! Als Luna anfing, sich in fremden Ohren zu verbeißen, bin ich Versager einfach nicht mehr auf die Hundewiese am Jaberg gefahren.

Dabei wäre es so einfach gewesen. Auto parken. Hund im Fahrzeug lassen. Wiese mit einem Gläschen Löwensenf Extra betreten. Mit einem jovialen „Sie gestatten?“ alle anwesenden Hundeohren mit Senf bestreichen. Kofferraum öffnen. Aggro auf die Wiese brettern lassen. Allen Beteiligten freundlich zunicken. Kein Problem mit Artgenossenaggression mehr haben. So wird’s gemacht!

Mittwoch, 8. Januar 2014

Krawalljahresrückblick Zweitausenddrölf. (Zweite Hälfte.)




Wissenswertes über Mardervergrämung, Generalstreiks und dicke Doggen. Bonustracks: ein leidenschaftliches Horst-Bashing, ein abgeschlossener Fotoroman und Wikis Initiativbewerbung für die Raufergruppe.

Juli 2013
Eine kleine, sonnige Lesereise führt uns nach Tirol und Kärnten. Am Bodensee steigt ein Marder zu. Er beißt so geschickt in den Turboschlauch, dass dieser erst zwanzig Kilometer vor Villach platzt.